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KUNST UND HANDWERK

ARTS AND CRAFTS

 

Transit – Zeitgenössischer Schmuck aus Israel

Eröffnung: Donnerstag, 28. Februar 2013, 18.30 bis 20.30 Uhr

Dauer: 01.03. – 13.04.2013

Die Ausstellung „Transit“ gibt einen Einblick in den aktuellen Stand des zeitgenössischen Schmucks in Israel. Nach den Stationen im Schmuckmuseum Pforzheim, im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau und in der Stiftung Villa Bengel, Idar-Oberstein, zeigt der Bayerische Kunstgewerbe-Verein die von Jürgen Eickhoff (Galerie Spektrum, München) kuratierte Ausstellung in seiner Galerie für Angewandte Kunst.

Was unterscheidet israelische Schmuckkünstler von ihren deutschen Kollegen? Es sind die Lebensumstände, sagt Iris Fishof, jüdische Kunsthistorikerin und Autorin des Katalogs. „Die politische Situation in der Region spiegelt sich in zahlreichen Werken wider. Manche Künstler machen ein klares Statement und äußern lautstarken Protest, während andere mit leiseren Tönen an die Sache herangehen. Der brisante Fragenkomplex Kriege, Terror, Ungerechtigkeit drückt sich auf unterschiedliche Weise aus. Einige Künstler setzen sich mit dem Leid auseinander und zeigen Mitgefühl mit den Opfern. Andere offenbaren Trauma und Angst. Nicht in allen Arbeiten jedoch sind unmittelbare Spuren der politischen Situation ablesbar. Die Wahl von Medium und Verfahren steht bei einigen Arbeiten der Ausstellung im Vordergrund. Die Werkstoffe sind einfach und schlicht. Diese Anspruchslosigkeit des Materials verbindet sich oft mit einer Ästhetik, die der Tradition der Schmuckgestaltung nicht entspricht. Sie bewegt sich zwischen minimalistischer Einfachheit einerseits und Vulgärem und Trashigem am anderen Ende der Skala“.

Den wichtigsten Beweggrund der Künstler fasst Kurator Jürgen Eickhoff zusammen: „Der politische Einfluss in der Aussage des Schmucks ist bedeutend höher als bei uns. Hier sind vor allem zwei Dingen auffällig: Zum einen ist die politische Situation ein deutliches und direktes Thema für viele Künstler, auch im Schmuckbereich. Diese „Politisierung“ der Thematik im Schmuck ist in Israel deutlich stärker ausgeprägt als hierzulande. Das zweite ist das Phänomen, dass es eine kontinuierliche Entwicklung gibt, die von vielen getragen wird, die oft nur über wenige Jahre beim Schmuck bleiben und dann zum Design oder zur freien Kunst wechseln. Also eine Beständigkeit der Entwicklung, die nicht unbedingt an immer dieselben Künstler gekoppelt ist.“

Welche Sprache spricht zeitgenössischer Schmuck aus Israel? „Die Werkstoffe, die die Schmuckmacher ver-wenden, sind verhältnismäßig schlicht“, resümiert Iris Fishof. „Sie reichen von Silber über recyceltes Papier zu Holz. Gold findet sich kaum. Steine sind rar. Außer Silber kommen ein paar Metalle zur Verwendung, des-gleichen Glasperlen, textile und synthetische Materialien und Fundstücke. Diese Schlichtheit der Werkstoffe ist in der israelischen Kunst anerkannt und bekannt als „Want of Matter“. In vielen Stücken der Ausstellung spürt man die Freude am Experimentieren mit neuen Techniken. Deutlich zu beobachten ist eine Rückkehr zum Handwerklichen. Sogar industrielle Materialien wie Aluminiumnetz werden mit handwerklichen Verfahren fachgerecht verarbeitet. Die Farbgebung ist im Großen und Ganzen eher gedämpft. Einfarbigkeit, vor allem Grau und ein paar Brauntöne, herrschen vor. Die Farben sind möglicherweise eine Antwort auf die Landschaft Israels, die zeitweise trocken und karg ist. Leuchtende Farben finden sich, wenn überhaupt, vor allem in Arbeiten mit Email, Epoxitharz und Fundstücken. Die Rückkehr zum Ornamentalen, ein globaler Trend, ist auch im zeitgenössischen Schmuck aus Israel zu beobachten. Blumen und Unkräuter, eine Arabeske, Tiere und sogar ein als politisches Abzeichen getragener Panzer – das sind alles Ornamente. Die Schmuckstücke vermitteln eine neue Ästhetik. Sie haben keinen Glamour und sind nicht verführerisch im herkömmlichen Sinne. Aber einige strahlen eine poetische Schönheit oder Aura aus, während der Reiz von anderen in ihrem rohen und scheinbar unfertigen Aussehen liegt.“

In der Ausstellung werden Arbeiten gezeigt von: Shirly Bar-Amotz (*1974), Attai Chen (*1979), Maya Dekel (*1982), Anat Aboucaya Grozovski (*1959), Edda Vardimon Gudnason (*1956), Dana Hakim (*1977), Rory Hooper (*1975), Vered Kaminski (*1953), Gregory Larin (*1977), Einat Leader (*1966), Tehila Levi Hyndman (*1982), Ido Noy (*1979), Michal Oren (*1972), Galya Rosenfeld (*1977), Kobi Roth (*1962), Michal Bar-On Shaish (*1959), Deganit Stern Schocken (*1947), Ella Wolf (*1960)

 

Einladungskarte

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