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KUNST UND HANDWERK

ARTS AND CRAFTS

 

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Tafelsilber von Christina Weck

Eröffnung: Donnerstag, 25. Juli 2013, 18.30 bis 20.30 Uhr

Dauer: 26.07. – 07.09.2013

»Nicht Avantgarde, sondern klassisch modern«
Die Silberschmiedin Christina Weck

Jedem künstlerischen Werk ist eine Persönlichkeit und die ihm eigene Entwicklung eingeschrieben. Wer das Werk der Silberschmiedin Christina Weck in seiner Gesamtheit überblickt, wird nicht sofort zwischen einer glatten, zylindrischen Kaffeekanne der späten 1960er Jahre und einer fächerartigen geschmiedeten Schale aus der Jetztzeit eine Beziehung herstellen können. Und doch begegnen uns beide Arbeiten innerhalb eines Oeuvres, das den Weg handwerklicher Gestaltung vor dem Hintergrund sich wandelnder Zeitläufte veranschaulicht.

Vor rund 30 Jahren wurde silbernes Gerät noch mit Luxus auf der Tafel assoziiert und stand in Verdacht, elitär zu sein. Einzelne Gebrauchsteile wie Jardinieren, Saucieren, Legumieren, Platzteller und dgl. hatten schon früher an Bedeutung verloren, doch beherrschten Kaffee- und Teeservice, Schalen, Leuchter, Gebäckdosen und Weinkannen nach wie vor die Praxis des Silberschmieds. Inzwischen sind weitere Gefäße, darunter die Kaffeekanne, aus dem gängigen Repertoire der Silberschmiede verschwunden. Doch bieten Becher, Schalen und in letzter Zeit in zunehmendem Maße auch Accessoires der Tafel wie Serviettenringe, Messerbänkchen und vor allem Bestecke ein reiches Arbeitsfeld. Vorlege- und Gourmetbestecke sind heute beliebter denn je. Bei allen Gegenständen, die noch und wieder in Silber hergestellt werden, ist ein formaler Wandel unübersehbar.

Christina Weck wurde 1942 in Diebach bei Rothenburg o.d.T. geboren. Nach der Mittleren Reife absolvierte sie in München eine Goldschmiedelehre, die sie mit der Gesellenprüfung abschloss. Noch heute zieht es sie immer wieder zum Schmuck, obgleich silbernes Gerät zum Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens wurde. Nach zeitweiliger Tätigkeit in Zürich und einem Studienjahr in der Gold- und Silberschmiedestadt Schwäbisch-Gmünd wechselte sie 1966 zu Professor Andreas Moritz an die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Dass Christina Weck in jenen wild bewegten Jahren, die man als Geburtsstunde der 68er-Generation bezeichnen kann, gerade zu einem Meister ging, der ein strenger Verfechter des klassischen Silberschmiedehandwerks war, spricht für ihre schon damals ausgeprägte Neigung, gegen den Strom zu schwimmen. Noch heute empfindet sie ihre Lehrjahre als grundlegend wichtig. Die Silberschmiede Annette und Christoph Diemer, sowie Walter Wittek gehörten zu ihren Kommilitonen. Carola Thiersch verdankt sie viele handwerkliche Kenntnisse, und ihr Lehrer Andreas Moritz war ihr ein großes Vorbild. Moritz verstand den Beruf des Silberschmieds als Berufung und gab diese Auffassung an seine Schüler weiter. Er trat ein für eine klare, spannungsreiche Formgebung, die zweckdienlich und gebrauchstüchtig sein sollte, aber auch Anspruch erhob auf unbedingte künstlerische Gestaltung.

Christina Weck ist heute noch darauf bedacht, strenge Formen beizubehalten, doch gab es parallel dazu immer auch den Wunsch, einmal »aus der Reihe zu tanzen«, Witz und spielerische Leichtigkeit in ihre Werke einzubringen. »Von dem strengen Konzept musste ich mich mal befreien«, bekennt sie. So kam es temporär zu Arbeitsphasen, in denen Experimente und Erkundungen neuer Einfälle im Vordergrund standen. Ihre puristische Grundhaltung hat Christina Weck darüber aber nie vergessen.

Der Bayerische Kunstgewerbe-Verein ehrt mit seiner Retrospektive die Lebensleistung einer Künstlerin, die in ihren Arbeiten fast ein halbes Jahrhundert lang Kunst und Handwerk exemplarisch miteinander verbunden hat, deren Werke in der deutschen Gold- und Silberschmiedeszene einen besonderen Platz einnehmen und deren tapferes und konsequentes Wirken auch für jüngere Silberschmiede, nicht zuletzt in Bayern, zum Vorbild wurde.

Dr. Rüdiger Joppien
Kustos em. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

 

Einladungskarte

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