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KUNST UND HANDWERK

ARTS AND CRAFTS

 

Nandl Eska

Farbraum

Eröffnung: Donnerstag, 7. Oktober 2010, 18.30 bis 20.30 Uhr

Dauer: 08.10. - 20.11.2010

Nandl Eska ist eine Künstlerin, die sich auch als Keramikerin ausdrückt. Ihr ganzes Sinnen und Trachten ist auf das Gestalten gerichtet, ohne strenge Struktur, aber mit einem wachen Blick auf das Machbare. Denn sie „macht“ gerne, sie erweitert ihr Blick- und ihr Tätigkeitsfeld, versucht Grenzen zu überschreiten, sie experimentiert, sie stellt Fragen: Was lässt sich noch herausholen aus einem Blick auf Tiere und Pflanzen? In welche Richtung lässt sich die Anwendung von Glasuren noch erweitern? Wie dünn lässt sich Steinzeugton drehen? Wie oft kann ich ein und dieselbe Schale mit zusätzlicher Glasur dem Brennofen aussetzen? Was fällt mir noch zum Thema „Kachelofen“ ein? Wie kamen die alten Ägypter zu ihrer blauen Glasur? Die Antworten auf diese Fragen liegen in ihren Arbeiten.

Durch den Raum zieht sich eine Sequenz von Installationen: Je eine Keramikschale steht auf einer Glasplatte, dahinter hängt ein Foto. Objekt und Bild werden in Bezug gesetzt – lakonisch, reduziert, konzentriert.

Denn eine Schale ist nicht nur ein Objekt im Raum, sondern umschließt einen Raum, definiert ihn.
Ihre Dreidimensionalität auf der optisch ganz zurückgenommenen waagerechten Glasplatte ist
gegen das zweidimensionale Bild an der senkrechten Wand gesetzt.

Das zugehörige Bild ist eine Makrofotografie, die das Einzelne, nur ein Detail ins Visier nimmt. Aus unscharfer Tiefe kippen präzise Gestalten auf die Blickfläche. Die Umgebung wird ausgeblendet, das Bild ist ein Konzentrat. Auch die Schale mit ihrer Körperform, ihrer Silhouette, der Wandstärke, dem Farbspiel ihrer Glasur, den Lichtreflexen ist ein Konzentrat. Wie die Reihe da steht, ist jede Schale eine nicht-verworfene Gestalt aus einer langen Versuchsreihe, eine im Moment gültige Lösung des menschheitsalten Themas.

Die Gegenüberstellung dieser beiden zugespitzten Formulierungen, ihr gemeinsamer Auftritt, ist
eine Einladung an den Betrachter, beides aneinander aufzuschließen. Bewusst erlebt er die Farben,
das Farbspiel; Gestalthaftes und formale Elemente haben auf dieser Bühne ihren Auftritt. Das, was
ihm im Bild auffällt, entdeckt er mit zunehmendem Vergnügen auch bei der Schale wieder. Was
das Objekt ausdrückt, tritt ihm im Bild wieder entgegen. Es ist der Blick des Betrachters, der hin
und her geht, vergleicht, erfasst – und sieht.

Das ist der Augenblick der Korrespondenz.

Gisela Geiger
Leiterin Stadtmuseum Penzberg

 

Einladungskarte

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