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KUNST UND HANDWERK

ARTS AND CRAFTS

 

Kunsthandwerk aus Thüringen

Eröffnung: Donnerstag, 13. Januar 2011, 18.30 bis 20.30 Uhr

Dauer: 14.01. – 19.02.2011

Wer bei Thüringer Kunsthandwerk Töpferei aus Bürgel oder Römhild, gläsernen Christbaumschmuck, vor der Lampe geblasene Tierfiguren aus Lauscha oder Porzellan kleiner Thüringer Manufakturen vor Augen hat, der denkt traditionsbewusst. Das thüringische Weimar war aber auch die Wiege des Bau-hauses, das besonders in dieser frühen Phase unter der Losung »Kunst und Handwerk eine neue Ein-heit« dem Kunsthandwerk entscheidende Impulse verlieh. Beides bestimmt bis heute den Charakter des Gestaltenden Handwerks und der Studiokunst im Freistaat.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewann die Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle Burg Giebichenstein (heute Hochschule für Kunst und Design), mit ihrem dem Bauhaus ver-wandten Lehrprogramm zunehmend Einfluss auf die Gestaltung in Thüringen. Dabei kam es zu hef-tigen, aber produktiven Reibungen mit einflussreichen Vertretern handwerklicher Auffassungen. Die Internationalen Quadriennalen des Kunsthandwerks Sozialistischer Länder zwischen 1974 und 1986 etablierten Erfurt zu einem international geschätzten Zentrum des zeitgenössischen Kunsthandwerks.

Die heutige Landeshauptstadt entwickelte sich zudem zu einem Zentrum der experimentellen und innovativen Schmuckgestaltung und veranstaltet vor Ort seit 1984 alle zwei Jahre das Internationale Schmucksymposium. 1975 fand im südthüringischen Römhild das erste Internationale Keramik-symposium der DDR statt. In Lauscha etablierten sich die Glasworkshops. Der Lauschaer Volkhardt Precht schuf 1963 als erster ostdeutscher Gestalter Studioglas in Hüttentechnik. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Textil, ebenfalls in dieser Zeit gegründet und jetzt ein Verein, gehören bis heute zu den schöpferischsten und experimentierfreudigsten Gestaltern ihres Bereichs in Deutschland.

Daneben gab und gibt es weiterhin ein beachtenswert breites, vielfältiges, klassisches kunsthand-werkliches Schaffen. Auf diesem Nährboden wuchsen immer wieder neue schöpferische Kräfte nach, die nun meist über ein Hoch- oder Fachschulstudium verfügen. Sie verstehen ihr Wirken als eine anspruchsvolle künstlerische Aufgabe mit gesellschaftlicher Relevanz und übernehmen daher auch Aufgaben im Bereich des öffentlichen Lebens, um ihren Intentionen Gestalt und Wirkungskraft zu geben. Mit der Bauhaus-Universität existiert an alter Wirkungsstätte in Weimar wieder eine profilierte Bildungsstätte für Designer und Künstler.

Jeder Gestalter, jede Gestalterin, ob Absolventin der Bauhaus-Universität, der Burg Giebichenstein oder der Fachhochschulen in Heiligendamm und Schneeberg, ob erfahrener Handwerksmeister, alle interpretieren die von ihnen benutzten Werkstoffe auf persönliche Weise. Sie spüren deren beson-deren technischen und bildhaften Ausdrucksmöglichkeiten nach, um daraus Inspiration für ihre Arbeit zu empfangen. So entdecken und nutzen sie mit ihren künstlerischen Intentionen sowie ihrem fach-lichen Können die in den Materialien vorhandenen Aussagekräfte und erweitern deren Grenzen.

Damit verleihen Künstler wie Handwerker ihrer Weltsicht Ausdruck, gleich, ob es sich um Gefäße, Skulpturen oder Objekte handelt. In den vergangenen Jahrzehnten sind nahezu alle Tendenzen der freien bildenden Künste oder des Designs ins Kunsthandwerk eingedrungen und haben ihm in kritisch schöpferischer Aneignung des Ererbten, neue zukunftsträchtige Spielräume eröffnet.

Mit den Werken von 22 Studiokünstlern und Handwerkern vermittelt diese Ausstellung einen reprä-sentativen Überblick über das aktuelle Schaffen Thüringer Gestalter verschiedener Generationen. Die nächsten Stationen der Ausstellung sind: Bad Wildungen, Gera, Eisenach und Koblenz.

Hans-Peter Jakobson, Kurator der Ausstellung
Direktor i.R. des Museums für Angewandte Kunst Gera

 

Einladungskarte

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