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KUNST UND HANDWERK

ARTS AND CRAFTS

 

Ab nach München!

Kunsthandwerkerinnen heute

Dauer: 10.10. – 22.11.2014

Film zur Ausstellung

»Ab nach München!« schreibt 1901 Gabriele Münter in ihr Tagebuch, nachdem sie von der dortigen Damen-Akademie erfahren hat. Dieser Ausspruch prägt den Titel einer Ausstellung, in der das Münchner Stadtmuseum von 12. September 2014 bis 8. Februar 2015 das Leben und Schaffen von Künstlerinnen um 1900 beleuchtet. München war im ausgehenden 19. Jahrhundert neben Paris die führende Kunststadt Europas. Die Ausbildungssituation von Frauen hingegen durchlebte gerade in dieser Zeit eine wechselvolle Geschichte. Im beginnenden 19. Jahrhundert war den Damen der Zugang zur akademischen Ausbildung in den freien und angewandten Künsten zunächst möglich. An der 1808 gegründeten Akademie der Bildenden Künste in München konnte 1813 mit der Zulassung von Marie Ellenrieder im Fach »Mignaturenmalerey« erstmals in Deutschland eine Frau an einer Kunsthochschule aufgenommen werden. Bald etablierten sich die Künstlerinnen als »vollberechtigte Concurrentinnen«, und eine kontroverse Diskussion über die Rolle der Frau als Künstlerin entbrannte. Das neue bürgerliche Familienideal, das dem Mann die Rolle des alleinigen Ernährers zuwies, drängte die Frau als Ehefrau und Mutter zurück in ihr häusliches Umfeld. Oft wurde dabei den Frauen grundsätzlich die Fähigkeit zur künstlerischen Betätigung abgesprochen. »Sehen Sie, Fräulein, es giebt zwei Arten von Malerinnen, die einen möchten heiraten und die anderen haben auch kein Talent.« schreibt 1901 Bruno Paul im Simplicissimus über die »Malweiber.«

An der Münchner Akademie wurden von 1852 bis 1920 keine Frauen mehr zum Studium zugelassen. Eine künstlerische Ausbildung konnten angehende Künstlerinnen nurmehr an teuren Privatschulen oder den neu gegründeten Ausbildungsstätten, wie der Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins (1884-1920) oder der Debschitz-Schule (1902-1914), erhalten. Die 1868 gegründete Königliche Kunstgewerbeschule hingegen gewährte bereits 1872 Frauen zumindest in ihrer weiblichen Abteilung eine Ausbildung. Es setzte ein zäher Kampf um den Zugang zur Akademie ein, der schließlich im Wintersemester 1920/1921 zum Erfolg führte. Insgesamt 17 Frauen immatrikulierten sich und konnten zu den gleichen Bedingungen wie Männer zum Studium zugelassen werden.

Wie steht es um die Situation der kunstschaffenden Frauen heute, knapp 100 Jahre später? Diese Frage stellen wir uns als Bayerischer Kunstgewerbeverein, der 1851 gegründet wurde, 1852 weibliche Mitglieder zuließ und 1855 eine »Modellier- und Zeichenschule« ins Leben rief, aus der 1868 die Königliche Kunstgewerbeschule hervorging. Antworten darauf versucht die Ausstellung »Ab nach München! Kunsthandwerkerinnen heute« zu geben, vom 10. Oktober bis 22. November 2014 in der Galerie des Vereins. Aus derzeit über 300 weiblichen Vereinsmitgliedern ist eine Auswahl von 15 getroffen worden, die dem Ruf »Ab nach München« gefolgt sind. Es galt, in einem Fragebogen Angaben zu den Themen Kindheit, Ausbildung, Beruf und Berufung, Arbeitsplatz, Verkauf und Herausforderungen zu formulieren. Zudem baten wir um ein künstlerisches Statement und waren auf das Ergebnis zur Frage »Ab nach München« besonders gespannt. Die Antworten waren so aussagekräftig, vielfältig und individuell, dass daraus ein Katalog entstanden ist, der den Blick hinter das Kunstwerk erlaubt und dabei die Person, die Macherin, in den Vordergrund treten lässt. So gilt unser Dank besonders allen, die diesen mutigen Schritt in die Öffentlichkeit gewagt haben. Den Ausstellungsbesuchern eröffnen sich auf diesem Weg interessante Einblicke in ein nicht ganz alltägliches Thema.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, entstanden mit Unterstützung der Münchner Bank eG.

 

Einladungskarte

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