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KUNST UND HANDWERK

ARTS AND CRAFTS

 

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Gabriele Kutschera - Eisenzeit

Eisenplastik, Schmuck, Arbeiten auf Papier

Eröffnung: Donnerstag, 6. September 2018, 18.30 Uhr

Dauer: 07.09.-20.10.2018

Lange Nacht der Münchner Museen, Samstag, 20. Oktober 2018 von 20 bis 22 Uhr: ZEIT SCHENKEN -

Gabriele Kutschera erstellt dem Besucher seine Zeitlinie

Gabriele Kutschera widmet sich seit über 40 Jahren einer Technik und einem Material: Dem Schmieden von Eisen. Sie steht damit in einer langen Tradition. Das manuelle Schmieden zählt zu den ältesten Handwerkstechniken überhaupt. Hier wird das Werkstück durch rhythmische Schläge des Schmiedehammers am Amboss frei verformt. Der gekonnte Umgang mit Feuer und Metall und die hohe Wertigkeit der so entstehenden Objekte ließen das Schmieden von jeher zu einem äußerst angesehenen Handwerk werden. So hat das Schmieden Einzug in die Kunst und Kultur gehalten, es
begegnet uns in der Mythologie und wird auch in zahlreichen Redensarten aufgegriffen. Hephaistos, der Gott des Feuers und der Schmiede, fertigte den Dreizack des Poseidon und den Halsschmuck der Harmonia. Die Legende besagt, dass Pythagoras zu seinen musiktheoretischen Erkenntnissen inspiriert wurde, als er die Klänge der Hämmer auf dem Amboss einer Schmiede hörte. Auch in vielen Sprichwörtern findet sich das Bild des Schmiedens: Man muss „das Eisen schmieden, solange es heiß ist“, kann „Pläne schmieden“ oder jemanden „zur Weißglut treiben“, sollte immer „zwei Eisen im Feuer haben“, kann „jemanden in die Zange nehmen“, sollte aber niemals „zwischen Hammer und Amboss geraten“ und immer „zum Schmied und nicht zum Schmiedchen gehen“, aber letztlich ist doch „ein jeder seines Glückes Schmied“. Und vergessen werden sollte nicht, „wer die Schmiede wechselt, muss die alten Eisen bezahlen“.

Gabriele Kutschera ist als Schmuckmacherin mit dem Schmieden von Edel- oder Buntmetallen durchaus vertraut, wenngleich diese kalt verformt werden. Ihre Beschäftigung mit dem Material Eisen in einer Grobschmiede (als Frau) ist aber doch äußerst ungewöhnlich. Genau mit dieser Technik begann die gebürtige Wienerin bald nach ihrem Studium an der dortigen Universität für angewandte Kunst. Das geschmiedete Eisen kombiniert sie mit Gold, es entstehen filigrane Ketten, Broschen, Ringe und Ohrschmuck. Schmuck muss funktionieren. Er soll körperbezogen und tragbar sein, dann kann er Aussage und Strahlkraft entfalten.

Doch bald reichte Gabriele Kutschera die Dimension des Schmucks nicht mehr aus, längst sind Kleinskulpturen entstanden. Mit dem Wunsch „das will ich in Groß sehen“ wagte sie schließlich den Schritt in die ausgreifende Eisenplastik. Die Grundlagen erwarb sie in der mehr als 100 Jahre alten Kunstschmiede Haan in Vorchdorf, Oberösterreich. Aus Vierkantstäben schmiedet Gabriele Kutschera Lanzen, wendet dabei alle möglichen Techniken an, schlagen, biegen, drehen, spalten. Zu ihren Lieblingsformen werden die „Paddel“ und die „Schnüre“, die sie zu raumerobernden Objekten verbindet. Arbeiten auf Papier kommen dazu, gezeichnete Linien als interpretierte Zeitabläufe.

Zum ersten Mal präsentiert Gabriele Kutschera in dieser Ausstellung das gesamte Spektrum ihres Schaffens: Schmuck, Eisenplastik und Arbeiten auf Papier. Mit dem Schmieden von Eisen kommt Gabriele Kutschera zu erstaunlichen Ergebnissen von ganz unterschiedlichen Dimensionen: Filigraner Schmuck neben kraftvolle Eisenplastiken. Über die Zeit entsteht eine Leidenschaft, die Gabriele Kutschera nicht mehr loslässt. Das Schmieden entwickelt eine meditative Kraft und schafft eine Erfüllung, wie sie zumeist nur die Tätigkeit mit den eigenen Händen hervorbringen kann. Bei den Arbeiten auf Papier kann Gabriele Kutschera eine andere Seite ihres künstlerischen Ausdrucks zeigen: Spontaneität und Leichtigkeit. Gabriele Kutschera bleibt nicht stehen, das Machen ist es, was
sie antreibt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei der Arnoldsche Art Publishers.

Einladungskarte

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