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KUNST UND HANDWERK

ARTS AND CRAFTS

 

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BKV-Preis 2014

Emelie Westerlund (Großbritannien, Edinburgh)

Der Halsschmuck von Emelie Westerlund überzeugt die Jury durch seine prägnante grafische Form und Materialität. Runde Formen aus einem gipshaltigen Kunststoff scheinen in einem Band, dessen Material optisch zunächst nicht ganz erfassbar ist, zu schweben. Bei näherer Betrachtung eröffnen beide Materialien eine zusätzliche Tiefe, welche durch ihre farbliche Körnung entsteht. Das verleiht den Kunststoffen eine Ästhetik, die künstlich und zugleich organisch wirkt. Dieser sensible künstlerische Umgang mit dem Material und der klaren Formsprache mündet in einen kräftigen Ausdruck, der eine zeitgenössische Urkraft ausstrahlt. Emelie Westerlund zeigt auf, wie direkt und einfach Schmuck sein kann – objekthaft im ungetragenen Zustand und schmiegsam, wenn er getragen wird. Es entsteht ein Ritual beim Anziehen des Halsschmucks, indem das Eingehängte entfernt wird, um die elastische Kette um den Hals zu legen - der Anhänger quasi als Verschluss. Eine sinnvolle Anwendung von Magneten zur Befestigung der Scheiben vervollständigt den klaren und doch geheimnisvollen Eindruck. Eine angenehme Schwere des Stücks unterstützt beim Tragen seine Tiefsinnigkeit.

Der BKV-Preis 2014 ist dotiert mit € 3.000,- und einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins erscheint. Außerdem beinhaltet der Preis eine für drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbe-Verein.

Emelie Westerlund, geb. in Oravais/Finnland

2004-2007 Ausbildung zur Medienassistentin am Vaasa Vocational Institute, Vaasa, Finnland
2008-2009 Studium der Fachrichtung Design und Interior Design an der Folkuniversitetet, Art College, Göteburg, Schweden
2009-2010 Studium der Fachrichtung Art and Design am Edinburgh’s Telford College, Edinburgh, Großbritannien,
abgeschlossen mit Diplom
2010-2013 Studium der Fachrichtung Schmuck und Gerät am Edinburgh College of Art, Edinburgh, Großbritannien, abgeschlossen mit B.A. (hons),
2012 Austauschsemester am Hiko Mizuno College of Jewelry, Tokio, Japan
2014 Artist in Residence am Edinburgh College of Art, Edinburgh, Großbritannien

2. Preis

Linda Prüfer (Deutschland, Halle (Saale))

Bezaubernd schön, die Schalen von Linda Prüfer faszinieren durch ihre Fragilität und kaum nachvollziehbare Machart. Dünnstes Porzellan ist mit vielen und dicht nebeneinander gefrästen Schlitzen perforiert, was die inhärente Transluzenz des Materials betont. Dadurch wird die »Schale« als Typus dekonstruiert, und es entsteht eine neuartige Spannung zwischen Material und Form. Das daraus resultierende reizvolle Schattenspiel fügt ihrer Schönheit eine zusätzliche Dimension hinzu. Die Jury beeindruckt die gelungene Balance zwischen technischem Können und ästhetischer Aussagekraft. Die organische Verformung der ursprünglich klaren Formen durch das Brennen bietet einen stilvollen Kontrast zu den präzisen Durchschneidungen, was den poetischen Charakter der Arbeiten betont. Der Betrachter wird verführt, die Schalen zu berühren, trotz des gebotenen Respekts für ihre scheinbare Zerbrechlichkeit.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit € 2.000,- und einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins erscheint. Außerdem beinhaltet der Preis eine für drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbe-Verein.

Linda Prüfer, geb. in Leipzig

2004-2007 Ausbildung zur Glasbildnerin an der Glasfachschule Zwiesel
2007-2012 Studium der Fachrichtung Keramik- und Glasdesign an der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle, abgeschlossen mit B.A.
2011 Auslandssemester an der Staffordshire University in Stoke-on-Trent, Großbritannien
Seit 2012 Studium der Fachrichtung Product Design und Applied Art an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

3. Preis

Sophie Baumgärtner (Deutschland, Halle (Saale))

Sophie Baumgärtners geheimnisvoll-magische Broschen ziehen den Betrachter in ihren Bann. Aus der wiederholten Grundform entsteht eine Serie, in der jedes Teil seinen eigenen, sehr eigenständigen Charakter besitzt. Gekonntes Handwerk im Spiel von Transparenz und Form, Strukturen und Materialien impliziert etwas »Käferähnliches«, wie der Namen der Arbeiten auch suggeriert, ohne zu eindeutig zu sein. Kunstharze verändern sich zu haut- und schalenartigen Substanzen. Assoziationen werden geweckt, Andeutungen von Erkennbarem gemacht, ohne ihre starke Ambivalenz zu verlieren. Der sichere Umgang mit Form, Material und Strukturen sowie dem Spiel von Sichtbarem und Verstecktem verleiht den Broschen ihre mehrschichtige Tiefe, die man gern erforscht und in der man sich gern verliert. Die sensible Farbpalette betont das Geheimnisvolle auf eine leicht unheimliche, aber faszinierende Art. Ihre anfänglich irritierende Überdimensioniertheit lädt zum Kontakt ein und bietet eine angemessene Größenordnung, um die versteckte Komplexität jedes Stücks wertzuschätzen.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit € 1.000,- und einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins erscheint. Außerdem beinhaltet der Preis eine für drei Jahre kostenlose Mitgliedschaft im Bayerischen Kunstgewerbe-Verein.

Sophie Baumgärtner, geb. in Halle (Saale)

2003-2006 Ausbildung zur Goldschmiedin an der Staatlichen Berufsbildenden Schule Arnstadt
2006-2007 Ausbildung bei Stefan Todorov und Kirsten Garzareck, Halle (Saale)
2007-2014 Studium an der Burg Giebichenstein, Schmuckklasse, bei Prof. Daniel Kruger, abgeschlossen mit Diplom
Seit 2014 Meisterschülerin / Master Student

Belobigung

Katharina Dettar ; Agnieszka Sendecka (Deutschland, Idar-Oberstein ; Belgien, Antwerpen)

Katharina Dettar:

Einfach und raffiniert, stark und sinnlich, Katharina Dettars Kette aus Holz und versteinertem Holz spricht eine eigenständige ästhetische Sprache. Als Objekt lädt sie zum Spielen ein, am Körper entfaltet sie durch die raffinierte Verbindung und Reihung der einzelnen Glieder eine besondere schmückende Ästhetik. Beim ersten Blick noch unklar, offenbaren sich die versteinerten Einzelteile durch die haptische Erfahrung – ihre angenehme Kälte, das befriedigende Gewicht – und, als spezielle Überraschung, durch den Klang, den die Elemente erzeugen, wenn sie aufeinander stoßen. Diese Halskette verkörpert eine gelungene Kombination aus grafischer Strenge und den sinnlichen Qualitäten des Materials, versteinertes Holz, welche auf originelle und doch materialgerechte Art erforscht wurden.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins erscheint.

Agnieszka Sendecka:

Diese zauberhafte Anwendung der Laserschneidetechnologie lädt zum Spielen ein. Verblüffend, wie zart und doch charaktervoll verschiedene Formen sich um den Kopf und den Hals entfalten. Agnieszka Sendecka gelingt eine subtile poetische Anspielung auf historische Halskrausen, wobei sie trotzdem mit ihrem Halsschmuck dezidiert im
21. Jahrhundert bleibt. Die zunächst flache, dichte Arbeit im ungetragenen Zustand, entfaltet sich erst beim Aufziehen. Die präzisen, an Computersprache erinnernden Schnitte und die Feinheit des Materials fügen sich schmeichelnd an den Körper und entwickeln dadurch einen kontrastierend organischen Charakter. Die Materialität der verwendeten Kunststofffolie löst sich auf und wird der Gesamtwirkung untergeordnet. Dieser zeitgenössische Ansatz einer neuen Beziehung zwischen Schmuck und Körper mit leichter Referenz zur Mode findet die Jury vielversprechend.

Diese Auszeichnung ist dotiert mit einem Katalog der Preisträger (dt./engl.), der in der Schriftenreihe des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins erscheint.

Katharina Dettar, geb. in Fürth

2006-2009 Studium der Fachrichtung Schmuck an der Escola Massana, Barcelona, Spanien
2008-2009 Studium der Fachrichtung Schmuck und Edelstein an der Rantapohja, South Carelia Polytechnic,
Lappeenranta, Finnland
2010-2013 Studium der Fachrichtung Schmuck und Edelstein an der Hochschule Trier, Fachbereich Gestaltung,
Campus Idar-Oberstein
Seit 2014 Masterstudium der Fachrichtung Schmuck am Royal College of Art, London, Großbritannien

Agnieszka Sendecka, geb. in Lublin/Polen

2003-2008 Studium der Rechtswissenschaften an der University of Warsaw, Warschau, Polen, an der UMCS,
Lublin, Polen, an der Jagiellonian University, Krakau, Polen, an der Leibniz Universität, Hannover, an der Columbus School of Law, Washington D.C., USA
2007-2009 Ausbildung im Fachbereich Schmuck am Wytwórnia Antidotum, Warschau, Polen
2011-2013 Studium der Fachrichtung Schmuck an der Royal Academy of Fine Arts, Antwerpen, Belgien,
abgeschlossen mit B.A
Seit 2013 Masterstudium der Fachrichtung Schmuck an der Royal Academy of Fine Arts, Antwerpen, Belgien

Finalisten 2014

Die Objekte der folgenden 20 Bewerber sind in die Endauswahl gelangt:

Franziska Behler-Pohl, geb. in Bremen, lebt in Düsseldorf, Schmuck

Eva Burton, geb. in Buenos Aires/Argentinien, lebt in Barcelona/Spanien, Schmuck

Heide Dittmann, geb. in Iserlohn, lebt in Marksuhl, Holz

Isabelle Enders, geb. in Miltenberg, lebt in Nürnberg, Gerät

Emi Fukuda, geb. in Osaka/Japan, lebt in München, Schmuck

Sofya Golubev, geb. in Nowokusnezk/Rußland, lebt in Giv’atajim/Israel, Schmuck

Stephanie Hensle, geb. in Karlsruhe, lebt in Karlsruhe, Schmuck

Iris Manuela Homm, geb. in Bad Friedrichshall, lebt in Pforzheim, Schmuck und
Objekte der Alltagskultur

Mirka Janeckova, geb. in Prag/Tschechische Republik, lebt in Glasgow/Großbritannien, Schmuck

Sang-Kyoung Lee, geb. in Seoul/Südkorea, lebt in Halle (Saale), Keramik

Annamaria Leiste, geb. in Mailand/Italien, lebt in München, Schmuck

Yasutomo Ota, geb. in Osaka/Japan, lebt in Halle (Saale), Buchkunst

Markus Pollinger, geb. in Benediktbeuern, lebt in Lenggries, Gerät

Tabea Reulecke, geb. in Berlin, lebt in Idar-Oberstein, Schmuck

Torsten Rötzsch, geb. in Dresden, lebt in Petershagen, Glas

Nelly Stein, geb. in Weimar, lebt in Halle (Saale), Schmuck

Edu Tarín, geb. in Valencia/Spanien, lebt in Idar-Oberstein, Schmuck

Takayoshi Terajima, geb. in Chiba/Japan, lebt in Chiba/Japan, Schmuck

Christoph Weißhaar, geb. in München, lebt in Nürnberg, Schmuck und Gerät

Wen-Miao Yeh, geb. in Taiwan, lebt in Tainan City/Taiwan, Schmuck

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